Ausblick auf die kommende Saison bei der Hertha

Ausblick auf die kommende Saison bei der Hertha

Bei der Hertha aus Berlin herrscht derzeit eine seltsame Gefühlslage: Es ist eine Mischung aus Erleichterung und Ernüchterung. Nur mit Mühe schafft der ‚Big City Club‘ den Klassenerhalt in der Spielzeit 2020/21. Die treuen Fans sind um einige graue Haare reicher. Was bleibt, sind wieder einmal viele offene Fragen. Ein Ausblick:

Personelle Veränderungen

Hertha BSC stellt sich neu auf. Zur Spielzeit 2021/22 haben die Berliner mit Fredi Bobic einen neuen starken Mann ins Boot geholt, der als Geschäftsführer von nun an die Geschicke leiten soll. Der erfahrene Manager kann auf eine bewegte Karriere zurückblicken und hat mit der Frankfurter Eintracht auf nationalem wie internationalem Parkett für Furore gesorgt. Der ehemalige Nationalspieler hat sich mit dem Projekt Hertha BSC eine reizvolle aber gewiss nicht einfache Aufgabe auferlegt. Sportdirektor Arne Friedrich, der einst als ‚Performance Manager‘ unter Ex-Coach Klinsmann installiert wurde, bleibt der Hertha aller Voraussicht nach erhalten. Neu hinzu kommt auch Dirk Dufner, dem künftig als Kaderplaner eine wichtige Rolle bei der Neuausrichtung des Hauptstadtclubs zukommt.

Die Zukunft von Coach Pál Dárdai ist indes ungewiss. Klar ist jedoch: sowohl Fans als auch Funktionsträger des Klubs wünschen sich eine Verlängerung der Zusammenarbeit mit dem allseits beliebten Ungar. Der Kader war bereits zur aktuellen Saison stark besetzt. Mit Weltmeister Sami Khedira, dem von Marseille ausgeliehenen Serben Nemanja Radonjic oder der Arsenal-Leihgabe Mattéo Guendouzi mangelt es dem Kader nicht an Qualität, doch die entscheidende Frage lautet: Können die Berliner auch mit diesen Stützen in der kommenden Saison planen? Eine abschließende Antwort darauf lässt sich gegenwärtig nicht geben, sicher scheint jedoch ein größerer personeller Umbruch, den die Hertha-Bosse nach dieser verkorksten Saison in die Wege leiten werden.

Auch der Eindruck der Fußballexperten in den Quoten-Abteilungen der Sportwettenanbieter in Deutschland sehen für den Hauptstadtclub eine durchwachsene Prognose. Wer regelmäßig auf die Hertha wettet, sollte jedoch zuerst alle Wettanbieter vergleichen bevor man sich für einen entscheidet. Denn gerade wer regelmäßig auf den gleichen Club wettet, kann mit einer guten Wahl einiges sparen.

Die Rolle von Lars Windhorst

Der schwerreiche Investor will hoch hinaus mit der Hertha. Doch diesen Plan hatte er bereits zur aktuellen Saison und was daraus geworden ist, mussten nicht nur die eingeschworenen Hertha-Anhänger mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen. In den Kader wurde viel investiert, die erhofften Erfolge blieben allerdings aus. Nichtsdestotrotz verfügen die Berliner über Möglichkeiten, von denen andere Klubs der Bundesliga nur träumen können.

Wo die Erwartungen besonders hoch sind, ist die Fallhöhe meist ebenso beträchtlich. Der Aufprall auf dem harten Boden der Realität dürfte den Verantwortlichen Warnung genug sein, sich keinen Träumereien hinzugeben, sondern Zielsetzungen mit Vorsicht und Bedacht zu formulieren. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass das Umfeld der Hertha als besonders unruhig und undiszipliniert gilt. Jede sportliche Krise wird medial ausgeschlachtet. Dieser externe Druck scheint für gestandene aber vor allem junge Nachwuchsspieler zu groß zu sein, denn anders lassen sich die erheblichen Blockaden im Spiel der Berliner Hertha nicht erklären.

Exemplarisch für Klubs, die an ihren Erwartungen zerbrochen sind, lassen sich zahlreich finden: Der HSV dümpelt seit Jahren in der 2. Liga vor sich hin, der glorreiche FC Schalke 04 muss nach dieser Saison ebenso eine Liga tiefer auf Torejagd gehen. Von Traditionsklubs wie dem Club aus Nürnberg oder Hannover 96 ganz zu schweigen. Das Unterhaus – wie die 2. Liga gerne betitelt wird – wäre um ein Haar mit der Hertha um eine Attraktion reicher gewesen. Der einzige Unterschied zu den anderen aufgelisteten Sorgenkindern ist die Finanzkraft eines Lars Windhorst. Obwohl sich die vielzitierte Fußballerfloskel „Geld schießt Tore“ in den meisten Fällen bewahrheitet, kann sie auch krachend nach hinten losgehen.

Europa als Ziel

Die größte Stadt Deutschlands will gehört und gesehen werden. Aktuell stiehlt der kleine Bruder der Hertha, die Eisernen von Union Berlin, der großen Hertha ganz ungeniert die Show. Dieser Umstand missfällt allen Verantwortlichen außerordentlich und kratzt natürlich am Ehrgefühl der stolzen alten Dame. Nach Europa soll es gehen und wenn möglich sogar bis in die Champions-League. In Anbetracht der sportlichen Talfahrt könnte manch einer den Begriff des Größenwahns in den Mund nehmen, doch die Ziele erscheinen zumindest mittelfristig realistisch. Wie Phoenix aus der Asche entwickeln sich erfolgreiche Fußballklubs selten, auch das erfolgreiche RB Leipzig musste sich trotz tatkräftiger Finanzspritzen über mehrere Jahre den Ruf erarbeiten, den es heute hat.

Bei der Hertha geht es vielmehr darum, strukturell und zukunftsorientiert zu denken. Die Probleme sind meist hausgemacht und dennoch verfügen die Berliner über Vorteile, die sich bereits für die kommende Spielzeit als echten Gewinn herausstellen könnten, denn die exzellente Jugendarbeit trägt Früchte: Mit Innenverteidiger Marton Dárdai, Linksverteidiger Luca Netz, Offensiv-Talent Jonas Michelbrink und Mittelstürmer Jessic Ngankam haben gleich mehrere Talente auf Anhieb den Sprung in den Profi-Kader der Berliner geschafft und bereits wertvolle Erfahrungen in der vergangenen Spielzeit gesammelt. Ihnen gehört die Zukunft.

An den Stellschrauben drehen

Im Fußball entscheiden Details über Erfolg und Misserfolg. Über eine schlagkräftige Truppe wird die Hertha auch in der neuen Spielzeit verfügen. Spieler, Trainer und Verantwortliche stehen in der Verantwortung und müssen sich an den eigens gesteckten Zielen messen lassen. Am Ende ist der Fußball aber doch einfacher, als es manche wahrhaben wollen, denn in diesem Geschäft gibt es nur eine Wahrheit: Der Ball muss ins Tor. Das wusste bereits Trainer-Ikone und Ex-Herthaner Otto Rehhagel.